Vereinsarchiv 2001
ScienceWeek
Planetenweg "HIMMEL auf ERDEN" Rettenegg - Stuhleck
Bericht & Fotos von Erich Weber

Bereits seit mehreren Jahren verbringe ich mit meiner Familie den Muttertag in Ratten im oberen Feistritztal in der Steiermark. Heuer fiel der Muttertag mit der ScienceWeek Austria zusammen und zufällig fand in Rettenegg (Nachbarortschaft von Ratten) im Rahmen dieser ScienceWeek am Samstag, den 12. Mai die Eröffnung eines Planetenweges statt. Natürlich waren auch wir dabei.

Der Planetenweg "HIMMEL auf ERDEN" Rettenegg - Stuhleck ist ein wissenschaftlich-touristisches Projekt in Zusammenarbeit des Institutes für Astronomie der Universität Wien mit den Tourismusverbänden Rettenegg und Spital/Semmering und CALENdeRsign. Er liegt in den Ausläufern der Ostalpen, in der Region zwischen Peter Roseggers Waldheimat und Wechsel. Das Besondere an diesem Planetenweg, das ihn auch von den meisten anderen unterscheidet, ist, dass die Planeten in der Stellung eines bestimmten Tages - dem 5. Mai 2000 - angeordnet sind. An diesem Tag standen alle in der Antike bekannten Planeten (mit Ausnahme von Saturn), sowie auch Sonne und Mond von der Erde aus gesehen ziemlich genau in einer Reihe. Eine solche Stellung kommt sehr selten vor und es wird angenommen, dass solche Ereignisse eine große Bedeutung in der Vergangenheit hatten.

Eröffnungsfeier

Zur Eröffnungsfeier kamen sowohl zahlreiche Gäste aus der Umgebung als auch viele Astronomie-Interessierte. Die Dorfmusik umrahmte die Feier, bei der Univ. Prof. Dr. Hans Maitzen vom Institut für Astronomie der Uni Wien, Bürgermeister Johann Ziegerhofer und Sepp Rothwangl von CALENdeRsign die Eröffnungsreden hielten. Nach einem Planetentanz der Hauptschule Ratten wurde der "Sternen-Pavillon" enthüllt. Zahlreiche Luftballons stiegen in den Himmel. Dieser Pavillon ist der Ausgangspunkt des Planetenweges. Mit Hilfe eines Glasfaser-Lichtleitsystems ist dort der Sternenhimmel, wie er sich derzeit zur Sommersonnenwende um Mitternacht oder zu Frühlingsbeginn vor Sonnenaufgang mit Blickrichtung nach Süden darbietet, dargestellt. Lichtpunkte verkörpern die Fixsterne der Sternbilder von Himmelsnordpol bis Schlangenträger und von Wassermann bis Löwe und sind durch die Sternzüge skelettartig verbunden bzw. teilweise durch die figürlichen Darstellungen umrahmt, die den Sternbildern Namen und Gestalt geben.

Bild 1: Der Sternen-Pavillon

Der Autor mit Frau Gisela und Sohn Jürgen vor dem neueröffneten Sternen-Pavillon in Rettenegg

Foto: Gisela Gottsbachner

Nun begaben sich die Festgäste auf den Planetenweg. Ein Planet nach dem anderen wurde enthüllt, neben den neun großen Planeten gibt es auch eine Station für die Kleinplaneten und eigene Stationen für unseren Mond und die Sonne. Diese Enthüllungen wurden jeweils von Personen vorgenommen, die bei der Schaffung dieses Planetenweges wichtige Funktionen hatten. Gleich neben dem Pavillon befindet sich die erste Station des Planetenweges, unser eigener Planet, die Erde. Knapp daneben folgt unser Mond und bereits mit einigem Abstand die Sonne. Die Himmelskörper sind sowohl in ihrer Größe als auch bei ihren Abständen zueinander im Maßstab 1:1 Milliarde dargestellt. Eine Million Kilometer ergibt dabei einen Meter, und die Entfernung von der Erde zur Sonne - die astronomische Einheit (rund 149,6 Mio. km) - schrumpft im Modell auf knapp 150 m. Würde man den nächsten Fixstern, Alpha bzw. Proxima Centauri - 4,3 Lichtjahre entfernt - ebenfalls im Modell darstellen, so wäre er schon so weit entfernt wie der wirkliche Erdmond. Die Lichtgeschwindigkeit von 300000 km/s entspricht nur einem langsamen Gehen von Planet zu Planet mit ca. 1 km/h. Der Weg, den ein jeder der dargestellten Himmelskörper auf seiner Bahn um die Sonne in einem Tag zurücklegt, ist durch Markierungen am Boden ersichtlich.

Bild 2: Die Sonne am Planetenweg

BAA-Mitglied Andrea Weber bei der dritten Station des Planetenweges

Durch den Umstand, dass der Maßstab auch für die Größe der Planeten gilt, wirken die Planetenkugeln ziemlich winzig. Neben den Kugeln befindet sich bei jeder Station eine astronomische Erläuterung und eine Beschreibung des mythologischen Hintergrunds. Leider fehlen jedoch Bilder von den Planeten, so dass es dem Besucher nicht möglich ist, die Planeten so zu betrachten, wie sie tatsächlich aussehen. Die Eröffnungsfeier fand beim Ringplaneten Saturn mit einer Jause ihren Abschluss. Die fehlenden drei Planeten wurden erst einige Tage später errichtet.

Bild 3: Merkur, der geflügelte Götterbote

BAA-Mitglied Erich Weber bewundert mit Frau Helga den Merkur

Die Idee zur Errichtung eines solchen Planetenweges ist sehr zu begrüßen, denn gerade durch solche Einrichtungen wird die Astronomie der Öffentlichkeit näher gebracht. Beim Planetenweg in Rettenegg kommt noch die schöne Gegend hinzu, die direkt zum Wandern einlädt und wenn man bedenkt, dass der Weg in einer Länge von etwa 6,5 km von Rettenegg (862 m) aufs Stuhleck (1782 m) führt, so kann mich sich schon vorstellen, dass man da schon mal ein wenig ins Schwitzen kommen kann. Bei gemütlicher Wanderung überwindet man die 920 Höhenmeter in etwa 3-4 Stunden. Dieser Planetenweg ist nicht der erste in Österreich. So gibt es etwa bereits in Linz gleich neben der Sternwarte eine solche Einrichtung, aber auch im Burgenland kann man bereits entlang der Planeten wandern:

Bild 4: Zahlreiche Leute bei der Eröffnung

Zahlreiche Gäste aus der Umgebung sowie viele Astronomie-Interessierte ließen sich die Eröffnung des Weges nicht entgehen.

Planetenweg Bernstein

In der Gemeinde Bernstein im Südburgenland sind die Sonne und ihre neun Planeten im Größen- und Entfernungsverhältnis von 1:1,1 Milliarden dargestellt. Der Ausgangspunkt ist am Hauptplatz, beginnend mit der Sonne - einem Kunstwerk aus Eisen - das einen Durchmesser von 1,26 m hat. Die Modelle der Planeten sind Halbkugeln, gedrechselt aus Edelserpentin, die jeweils mit der genauen Beschreibung des Planeten auf besonders großen Serpentin-Findlingen angebracht sind. Nach 5426 Metern erreicht man den Planeten Pluto und nach weiteren 250 m gelangt man wieder zum Ausgangspunkt.

Links

  • Planetenweg Rettenegg - Stuhleck
  • Bernstein


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